Dienstag, 17. November 2015

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Zitiert: Matrilineare Gesellschaften. Auf der kulturellen Ebene kann man diese Gesellschaften nicht als solche mit „Naturreligion“, „Animismus“ und „Fruchtbarkeitskult“ charakterisieren,
solche Begriffe sind nicht nur abwertend, sondern auch falsch. Denn dabei wird nicht deutlich, dass sie komplexe, religiöse und weltanschauliche Systeme besitzen.
 Eine grundlegende Vorstellung vom Leben und vom Kosmos ist der Wiedergeburtsglaube.
So wie sie im Kosmos und auf der Erde alles wiederkehren sehen, verstehen sie auch die menschliche Existenz in Zyklen von Leben, Tod und Wiedergeburt. Dabei wird Wiedergeburt sehr konkret verstanden: Jedes Clanmitglied wird nach ihrer Auffassung im selben Clanhaus durch die jungen Frauen des Clans wiedergeboten.
In diesem Sinne gelten die Kinder als die wiedergeborenen Ahnen und Ahninnen der Sippe und sind heilig. Frauen werden nicht nur dafür geehrt, dass sie die Lebensschöpferinnen und Ernährerinnen sind, sondern besonders dafür, dass sie die Wiedergebärerinnen sind, Tod also in Leben umwandeln können. Das haben sie von der Erde abgeschaut, denn die Erde als die Große Mutter bewirkt ständig die Wiedergeburt aller Wesen und die Ernährung allen Lebens.
Sie ist die eine Urgöttin, die andere Urgöttin ist die kosmische Göttin als Schöpferin des Universums. Denn auch am Himmel bewegen sich die Gestirne zyklisch in Aufgang und Untergang, wobei auf jeden Untergang ein neuer Aufgang folgt. Himmel und Erde sind zusammen die „Welt“, in welche die Menschen immer eingebettet sind.
Als „Frau Welt“ ist sie weiblich-göttlich. Der matriarchale Begriff von Göttlichkeit ist daher immanent, nicht transzendent. Alles besitzt Göttlichkeit, das kleinste Wesen und der größte Stern, jede Frau und jeder Mann. Matriarchale Kulturen kennen deshalb nicht das dualistische Denken in Gegensätzen von „Mensch“ vs. „Natur“, „Geist“ vs. „Natur“ oder „Gesellschaft“ vs. „Natur“, das zur Abwertung und Ausbeutung der Natur als bloßer „Ressource“ geführt hat. In ihren Festen, die dem Jahreszeitenzyklus und anderen natürlichen Rhythmen folgen, wird die göttliche Welt in allen ihren Erscheinungen vom Größten bis zum Kleinsten gefeiert.
Doch auch im Alltag ist jede praktische Handlung, wie z. B. Säen, Ernten, Kochen, Weben, zugleich ein bedeutungsvolles Ritual. Da alles in der Welt göttlich ist, kennen matriarchale Kulturen keine Trennung zwischen dem Profanen und dem Sakralen, Auf der kulturellen Ebene definiere ich Matriarchate deshalb als sakrale Gesellschaften und Göttinkulturen.

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